Bevor wir heute das erste Mal aus dem Zelt sehen, hören wir schon ein Auto an uns vorbeifahren. Im Laufe des Abbaus fährt auch noch ein LKW langsam vorbei. Und kurz nachdem wir das Zelt im Sonnenschein auf der Straße getrocknet haben, fährt ein PKW in recht flottem Tempo die Straße entlang. Gestern schien die Straße unbefahren. Wir haben die Kinder aber immer eng bei uns und die Kleine spielt die meiste Zeit während des Abbaus im Anhänger. Lu hat am Morgen die Solar Panel etwas abseits unseres Platzes in die Sonne gehängt und zwischendurch justiere ich gemeinsam mit der Großen die Ausrichtung zur Sonne nach.

Gegen Mittag sitzen wir wieder auf den Rädern und nach kurzer Fahrt auf der trügerisch ruhigen Nebenstraße, müssen wir plötzlich von einer Schotterpiste auf die schwer einsehbare Landstraße. Wir warten den Verkehr ab und sehen dann zu, die schweren Packesel so schnell es geht in Gang zu setzen. Wir rollen wieder.

Zum Glück fahren wir nicht lange hier auf der Landstraße, sondern unsere Route führt uns auf eine alte asphaltierte Nebenstraße durch eine schöne Landschaft. Heute fangen seit langer Zeit mal wieder die Räder des Anhängers an zu knarzen. Wie wir wissen, hilft hier etwas Wasser auf die Nabe, dort, wo die Speichen ansetzen, zu gießen. Unser Trinkwasser wird heute allerdings langsam knapp und damit das nicht für das Wässern von Reifen verschwenden, nutzen wir eine der unzähligen plätschernden Wasserquellen neben der Straße. Wir kommen an einer kleinen Art Wasserfall vorbei und Lu füllt eine der leeren Flaschen mit dem Wasser. Es ist trüb und bräunlich, aber es muss ja nicht zum Trinken herhalten. Sie gießt es über die Naben und weiter geht’s ohne Knarzen.

Einkaufen und Pause machen
Wir kommen in Feda an und beschließen, dass es Zeit für eine Pause ist. Wir fragen vor Ort eine Frau, ob sie uns sagen könnte, wo hier ein Lekeplass (Spielplatz) ist. Wir stehen zwar zufällig direkt neben einem Spielplatz, allerdings gehört dieser, wie immer, zur örtlichen Schule. Sie empfiehlt uns einen Ort am Fjord, an dem es wohl schön sei Pause zu machen. Sitzgelegenheiten, Strand, Badestellte sind so in etwa die Stichworte. Wir hoffen, dass es sich lohnt und setzen es uns als Ziel. Da wir gerade auf dem Parkplatz eines Supermarktes stehen – wahrscheinlich der einzige im Ort und damit weit und breit, besorgen wir noch ein paar Sachen für die Pause. Es soll mal wieder Wraps geben.
Während Lu durch die Gänge wetzt und alles nötige zusammensucht, räumt die Kleine mal wieder ganz interessiert Regale aus und um. Ich versuche mich auch nützlich zu machen, bleibe aber mit einem Auge bei der Kleinen. Die Süßigkeiten findet sie intuitiv interessant. Heute findet sie einen Harry Potter PEZ Spender und gibt ihm Küsschen. Außerdem werden Lollis und Kaubonbons verräumt und teilweise uns entgegengehalten, als wenn sie die haben möchte. Das kann ja heiter werden, wenn sie das erste mal selber mit Süßigkeiten in Kontakt kommt und auf den Geschmack kommt.
Sweeeets
Bis jetzt fordert sie glücklicherweise nichts Süßes ein und ist immer mit Obst zufrieden. Ganz anders die Große, die zusammen mit mir auf dieser Reise angefangen hat Süßigkeiten Tüten in den Läden zusammenzustellen. Diese Wände mit den Fächern voll Schokolade und Fruchtgummis, die mit Schaufeln in Tüten abgefüllt werden, haben mich schon immer angesprochen. Bisher habe ich jedes Mal, wenn ich in Dänemark oder Norwegen war, mir solche bunten Tüten zusammengestellt. Und auf dieser Reise habe ich die Große damit infiziert. Sehr oft bereue ich das schon, weil sie sehr häufig fragt, ob sie etwas aus ihrer Süßigkeiten Tüte haben darf. Oftmals ist es OK, aber oft ist es auch ungelegen, wie zum Beispiel, kurz vor dem Essen oder während des Essens, wenn sie dann deshalb das Essen abbrechen möchte. Obendrein ist es natürlich nicht gut für die jungen Zähne so häufig am Tag mit Zucker zu bombardiert zu werden. Glücklicherweise lässt sie sich zweimal täglich die Zähne putzen. Dennoch nervt uns das Thema immer wieder. All der Ärger beiseite ist es aber auch schön zu sehen, mit welchem Interesse und welcher Begeisterung sie die unterschiedlichen Süßigkeiten mit ihren Formen, Farben und Konsistenzen konsumiert.
Packe, packe, suche
Nach dem Einkauf steht jedes Mal das Verstauen des Einkaufs an. Während wir Taschen räumen, neues nach unten und altes nach oben sortieren, bekommen die Kinder etwas … altes von unten. Also, wir haben vor einigen Tagen einen Snack gekauft, der aus einer kleinen Portion Schmelzkäse und ein paar Brotsticks besteht. Das Zeug wird nicht schlecht, muss aber auch nicht ewig mit uns reisen. Die Große hatte es sich damals ausgesucht und wir haben es weitestgehend vergessen. Ich habe es zwar morgens manchmal beim Ausräumen des Frühstücks in der Tasche bemerkt, aber im Laufe des Tages meistens wieder vergessen.
Den Kindern schmeckt’s. Sie sitzen beide im Anhänger und dippen und snacken genüsslich, während wir einen kleinen Eiskaffee aus dem Tetrapack trinken und bald alles verstaut haben.
Pause in der Sandbucht
Wir fahren weiter zum eigentlichen Pausenplatz. Nur wenige Minuten später sind wir an einem netten Plätzchen mit Bänken, Überdachung, Schatten (der heute sehr wichtig ist, weil es wirklich sonnig und sehr warm ist), einer Toilette und, ganz unerwartet, sogar mit einer kleinen Schaukel. Außerdem gibt es Strom aus der Steckdose. Wir laden unsere Uhren an der Steckdose, weil sie weder am Solar Panel, noch an den Powerbanks so recht laden wollen und wir laden eine der Powerbanks an der Dose. Da die Sonne üppig scheint, lade ich mit einem der Solar Panel die andere Powerbank.
Die Pause läuft insgesamt etwas chaotisch ab. Da die Kinder gerade erst gesnackt haben, ist der Appetit natürlich flöten gegangen. Einzelne Zutaten werden zwar gegessen, aber Wraps laufen heute nicht so recht. Als wir wieder aufbrechen, waren wir gut zweieinhalb Stunden hier und wundern uns, wo die Zeit nur hin ist. Es war schön, aber jetzt ist es leider schon wieder spät. Um 17:00 setzen wir zur letzten Etappe des Tages an.
Ein Hauch von USA
Gegen 18:00 kommen wir in Kvinesdal an, einem Ort mit rund 6000 Einwohnern und einer engen Verbindung zu den USA. Zuallererst geht es aber über gut 2 km etwa 160 m bergab. Wir haben eine schöne Sicht ins weite Tal, auch wenn uns als erstes unten nur Industrie erwartet. Unten angekommen, fahren wir eine lange gerade Landstraße entlang, die ungewohnt wenig bergauf und -ab geht. Eigentlich geht sie wirklich nur gerade aus. So was haben wir seit Tagen nicht mehr gehabt. Wir sehen ein paar US Automarken und wir stellen uns vor, wie es wohl wäre, durch die USA zu fahren. Bei meiner Recherche zu diesem Artikel habe ich dann herausgefunden, dass aus keiner anderen Kommune Norwegens so viele amerikanisch Staatsbürger hervorgegangen sind, wie aus Kvinesdal. Sie feiern deswegen jeden Sommer das Utvandrerfestival.

Die Schlafplatzsuche beginnt beim Rasenmähermann
Wir sind gerade an einem Grundstück vorbeigefahren, auf dem jemand seinen Rasen mäht und wir entscheiden erst ein paar hundert Meter weiter, dass wir uns doch jetzt mal durchfragen müssen und als erstes den „Rasenmähermann“ fragen werden. Damit wissen wir sofort, wen wir meinen.
Die Tipps vom Rasenmähermann stellen uns leider nicht sonderlich zufrieden. Er fragt, wohin wir anschließend fahren wollen und empfiehlt uns heute noch die Steigung auf der gegenüberliegenden Seite des Tals zu erklimmen. Sollte nur ne Stunde dauern. Unserer Einschätzung nach sollten wir nicht allzu viel auf seine zeitliche Einschätzung geben. Wahrscheinlich ist er Autofahrer. Würde er mit dem Rad fahren, dann wahrscheinlich nicht so bepackt, wie wir und vor allem nicht mit zwei kleinen Kindern, die bald ins Bett sollen.
Wir bedanken uns und fahren weiter. Wenig später treffen wir eine junge Frau und einen älteren Mann – Tochter und Vater. Auf die Frage nach der favorisierten Sprache antwortet er mit „deutsch“, wobei sie sich letztlich auf Englisch mit Lu unterhält. Wir stellen unsere Schlafplatzfrage und bekommen einen Platz am Fluss empfohlen. Dort stehe zwar „No Camping“, aber wir sollen uns davon nicht irritieren lassen. Sollten wir doch vertrieben werden, seien wir herzlich bei ihnen willkommen. Ich unterhalte mich noch kurz mit dem Mann über unsere Reise und dann fahren wir zu Flussufer.
No Camping
Das erste, was uns am Ufer anlacht, ist ein großes weißes Schild mit einem handschriftlichen „No Camping“, wie versprochen. Es fühlt sich komisch an, aber wir suchen uns trotzdem etwas weiter flussabwärts ein Plätzchen. Zwei Leute sind noch mit ihrem Hund unterwegs und wir fragen sie einfach auch nochmal. Sie geben natürlich auch keine 100%ig verlässliche Antwort, aber sie sehen auch kein Problem darin, wenn wir hier unser Lager aufschlagen.

Die Große baut zusammen mit Lu das Zelt auf, während ich mit dem Aufpumpen der Matratzen anfange und die Kleine im Anhänger spielt. Als die beiden mit dem Zelt fertig sind, kommt die Große freudig an und berichtet, dass sie zusammen mit Mama das Zelt aufgebaut hat. Wir freuen uns, dass sie mithelfen möchte und so viel Spaß dabei hat. Am Ufer ist ein kleiner Sandstrand und die Kinder können hier mit den Buddelsachen spielen. Wegen des Wassers haben wir immer ein Auge auf die beiden und glücklicherweise sind sie hauptsächlich am Spielen im Sand interessiert.
Wenn’s immer so einfach wäre
Die Sonne geht so langsam unter und wir haben alles fertig. Die Große bekommt noch einen Kakao-Banane-Brei zum Abendessen. Dafür drehe ich ihr einen Buddeleimer um, damit sie sich darauf setzen kann. Dann bekommt sie das geöffnete Gläschen mit einem Löffel in die Hand und so lässt sie es sich mit Blick auf den Fluss schmecken. Schön, wenn es so unkompliziert geht. Die Kleine ist schon im Zelt und bekommt dort auch ein Gläschen. Am Ende helfe ich der Großen sich vom Sand zu befreien, die Füße werden kurz im Fluss abgespült und dann geht es ins Zelt.

Eine gute Entscheidung
Wären wir heute noch auf der anderen Seite des Tals hochgejuckelt, dann wären wir weit später angekommen, wo auch immer wir überhaupt angekommen wären und wir hätten keinem von uns damit einen Gefallen getan. Wir sind froh, dass die Kinder nochmal entspannt spielen konnten und dass wir so einen schönen Ort gefunden haben. Die Sonne ist jetzt hinter dem Bergkamm verschwunden und wir beenden so langsam den Tag mit den Kindern – um dann später nochmal Nachos mit Dip zu essen, Artikel und Story zu schreiben und dabei das Plätschern des Flusses zu hören, in dem gelegentlich Fische herauszuspringen scheinen, weil wir immer mal wieder ein lautes „Plutsch“ hören.
So ein Glückstreffer, dieser Zeltplatz.

Heutige Fahrbilanz: 24 km, 2:20 h im Sattel
Bilder des Tages











