Norway by Bike – Tag 29: Varhaug – Hellvik (1104 km)

Pferdemädchen in the making

Als wir wach werden, ist es bereits kurz nach 8 Uhr und Annika hat das Haus bereits verlassen. Wir haben morgens schon eine eingespielte Routine und versuchen immer zuerst die Kinder umzuziehen und Schlafsäcke und Eltern-Isomatten abzubauen. So entsteht Platz und keine Gefahr, das wir die Schlafsachen beim Frühstück dreckig machen. Beim Zeltabbau können die Kinder schaukeln und Pferde beobachten. Zweiteres wird immer wieder eingefordert. Also gehe ich mit den Kindern immer mal wieder zu den Pferden, die bei Annika auf dem Grundstück stehen, während Bodo weiter packt. Die Kleine zeigt ihre Begeisterung mit euphorischen Pferdelauten und die Große teilt mit, dass sie die Pferde gern füttern möchte. Wir schmieden den Plan zu Hause in Berlin dem Pferde Interesse nachzukommen und Pferde füttern und reiten zu gehen. Denn auch das wünscht sie sich sehr aber Mama soll mit aufs Pferd, sagt sie. Ich lache und stimme zu. 

Schaukel direkt am Schlafplatz

Warten auf die Regenpause 

Der Tag startet mit Regen und auch über den Tag hinweg bekommen wir immer mal wieder kleine und größere Mengen Wasser von oben ab. Ein Teil haben wir bereits am morgen im Zelt beim Frühstück ausgesessen und anschließend unser noch feuchtes Zelt eingepackt. Wir wollen vermeiden es nass oder auch nur feucht einzupacken. Aber anders geht es heute nicht und laut Prognose werden wir es abends wohl auch bei Regen aufbauen. Immerhin haben wir für den Abbau und das Taschen packen Regenpause. 

Erster Einkauf in Norwegen 

Wir treten den zweiten Tag der Norwegen Etappe an und notieren beim Verlassen des Grundstücks Annikas Adresse vom Briefkasten. Denn wir wollen ihr schreiben, wenn wir es ans Ziel geschafft haben und uns für ihre Gastfreundschaft bedanken. Wir füllen unsere Wasservorräte am Außenanschluss und machen uns auf den Weg.

Die Kleine ist nach einigen Kilometern immer noch wach und so gehen wir recht früh am Tage einkaufen. In Vigrestad gehen wir in ein Coop Extra, besorgen die nötigsten Sachen und machen uns mit dem norwegischen Angebot und Preisen vertraut. Vor dem Geschäft treffen wir eine deutsche Bikepackerin, die recht zügig wieder unterwegs ist. Wir werden sie später nochmal wiedersehen und ein paar Worte mit ihr wechseln.

Schöner als bei Caspar David Friedrich 

Das Meer bei Ogna

Bei Ogna führt die Route über einen Campingplatz und anschließend entlang einer schroffen, felsigen Küstenlandschaft. Die Natur ist plötzlich total verändert. Felder weichen Felsen, das flache Land wird steil. und wir fahren auf Schotter statt Asphalt. Es ist wunderschön und brutal zugleich. Eine Landschaft wie in einem Caspar David Friedrich Gemälde. Der Wind peitscht die Wellen auf das schwarze Gestein, dazu der regenverhangene Himmel und die Pfützen am Boden.

Ab Ogna führt der Weg durch felsige Landschaften

Den falschen Berg hochgeradelt

Kaum haben wir den schönen Küstenabschnitt verlassen kämpfen wir uns den ersten Berg hoch. Nach etwa 50 Höhenmetern merke ich, dass es der falsche ist. Also wieder runter. Wir fahren in eine Straße mit Baustellenschildern und vor uns wendet ein Camper. Wir befürchten das Schlimmste. Eine alte Brücke wird erneuert, Autos können hier nicht passieren. Für Fußgänger und Fahrräder wurde ein kleiner Übergang geschaffen und wir müssen nicht umkehren. Der Weg ist allerdings für Räder ohne ausladendes Gepäck konzipiert. Ich helfe Bodo beim Aufgang, denn er bekommt den Hänger nicht über den Fuß des Gitters. Also muss ich ihn heben. 

Die Füße der Bauzäune am Ende der Holzrampe stehen zu weit in den Laufweg

Unfassbar schöne Landschaft mit unfahrbaren Radwegen 

Warten auf Hilfe am steilen Berg

Mit dem Abenteuer geht es jetzt aber erst richtig los, denn plötzlich stehen wir vor einer Wand aus Schotter. Wir betreten den Vestlandske Hovedvei. Es geht steil bergauf. Den ersten Teil schaffen wir radelnd aber als wir oben ankommen, kommt ein noch steilerer Abschnitt. Bodo gibt alles und schafft einen Teil aber das letzte Stück müssen wir schieben und auch ich schaffe es nicht. Ich steige ab und schiebe. Das Schieben auf Schotter ist extrem anstrengend und müßig und beim bergauf Schieben stößt man mit den Beinen immer wieder gegen die Packtaschen. Diese für uns unfahrbare Schotter-Piste will nicht Enden und diesen Abschnitt hinter uns zu lassen kostet uns den ganzen Tag. Immer wieder müssen wir absteigen und gemeinsam die Räder schieben. Erst das eine, dann das andere. Die Strapazen werden aber auch belohnt mit toller Aussicht auf diese atemberaubende Landschaft.

2 extra Kilometer zu Fuß 

Eine ausgesprochen stylische Tages-Shelter

An einer Tages Aufenthalt Hütte  auf dem Peak der Strecke treffen wir auf die Bikepackerin vom Vormittag. Während ich wegen einer verlorenen Kinder Socke, die ich am Körper zu trocknen versuchte, zu Fuß einen Kilometer zurück ging, erzählte sie Bodo von ihren Plänen. Sie hat ihre Tour heute in Stavanger begonnen und in der Hütte eine Stunde geschlafen und fährt nun weiter. Für die Strecke Stavanger-Kristiansand hat sie sich 5 Tage Zeit genommen. Darüber denken wir die nächsten Wochen immer mal wieder nach. Ob sie es geschafft hat, keine Ahnung. Beeindruckt von ihrem Vorhaben sind wir allemal.

Weitblick: Direkt an der Shelter ist der höchste Punkt unserer heutigen Etappe

Keine Pause für die Kinder

Die Kinder bekommen ein paar Snacks. Da wir aber vor der Dunkelheit aus der abgelegenen Gegend raus müssen und sich dieser Platz, abgesehen von der Tageshütte, die es locker auf das Cover eines Outdoor Magazins schaffen würde, nicht für eine Pause eignete, mussten wir weiter. Das Auf und Ab zog sich noch etwas und die Kinder hielten lange sehr tapfer und geduldig durch. Aber irgendwann war es ihnen zu viel und auch wir hatten genug. Beide Kinder weinten bitterlich. Wir waren verzweifelt genug an der nächstbesten Tür zu klingeln. Es sei illegal hier zu zelten entgegnete uns die Frau, die die Tür öffnete, auf die Frage, ob wir in ihrem Garten unser Zelt aufstellen dürfen. Aber es gebe nur 300 Meter weiter ein offiziellen Platz, sogar mit Feuerstelle, Picknick Tischen und Toilette. Der Platz lag auch noch auf der Route. Perfekt. 

Verbrannte Würstchen auf der Wiese

Wir fanden ein Stück Wiese, das eben genug war und bauten unser feuchtes Zelt auf die triefend nasse Wiese. Um uns herum lagen vor Regen aufgeschwemmte, verbrannte Würstchen. Diese wurden beim letzten BBQ scheinbar auf der umliegenden Wiese entsorgt. Wir hatten Mühe sie im Dämmerlicht nicht breitzutreten und ins Zelt zu schleppen.

Die Kinder essen noch etwas im Zelt. Wir machen sie bettfertig und schlafen bei der Einschlafbegleitung mit ein.


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