In der letzten Nacht hat es geregnet. Draußen ist alles nass. Bei uns drinnen ist zum Glück alles trocken und wir starten erstmal mit unserem Frühstück. Für die Kinder machen wir heute ein Schoko Porridge. Das kommt gut an, wahrscheinlich auch, weil es sehr süß ist. Deshalb bekommt letztlich nur die Große etwas davon.
Wir packen unsere Sachen und gießen am Anhänger die ein oder andere Pfütze ab. Das Zelt können wir einigermaßen trocken einpacken, da die Sonne schon sehr weit rumgekommen ist, als wir es einpacken wollen. Am Ende der Einpackzeit wird es turbulenter zwischen den Kindern. Alle sind schon eine Weile wach. Die Kleine ist müde und wird immer ungehaltener, die Große leidet unter den lautstarken Unmutsbekundungen der Kleinen und wir teilen uns immer wieder auf, um die Situation zu Begleiten.

Bis wir schließlich fertig gepackt haben und loskönnen, vergeht ein Weilchen. Beim Verlassen des Platzes hält plötzlich ein Auto. Es ist ein Ornithologe, der uns darauf hinweist, dass wir uns in einem NSG (Naturschutzgebiet) befinden. Direkt an der Zufahrt zur Wiese steht ein Schild, dass wir wohl gestern Abend übersehen haben. Wir entschuldigen uns und auch wenn es die Sache höchstens leidlich besser macht: wir haben ja dicht bei der Straße geschlafen.
Weiter auf dem Havelradweg
Wir fahren los und kommen bald in den Regen. Ein Baum hält uns für einen Moment trocken, aber wir nutzen die Zeit, um Pläne zu schmieden, wie es weitergeht. Wir wollen im nächsten Ort einen Unterstand finden und etwas zu Mittag kochen. Der nächste Ort ist Havelberg und wir finden eine Einfahrt, die uns stellen. Wir bauen den Kocher auf, und Lu beginnt für uns zu kochen: Kartoffelbrei mit Hack, eine kleine Portion Nudeln mit asiatischer Gewürzmischung und noch eine kleine Portion Nudeln mit Kräutersauce. Eine bunte Mischung, aber das Püree kommt bei beiden Kindern gut an und die Nudeln mit Kräutersoße bei der Kleinen. Wir halten uns somit an das asiatische Gericht.
Kochen beim Inder
Auf dem Hof, zu dem die Einfahrt führt, befindet sich ein indisches Restaurant. Wir wollen unsere Wasservorräte auffüllen, und ich gehe mit 6 Flaschen zum Restaurant, um zu fragen, ob wir dort das Wasser auffüllen können. Sie sagen ja und verweisen auf die Toilette. Häufig hört uns das Wasser direkt am Tresen aufgefüllt aber es kommt auch oft genug vor, dass wir ins Badezimmer dafür gehen. Gängige Probleme dabei sind: zu wenig Platz zwischen Wasserhahn und Becken, so dass man die Flasche nicht auffüllen kann, zu wenig Stellfläche, um die Flaschen zwischendurch abzustellen und ab und zu ist auch geringer Wasserdruck ein Problem. Heute ist es definitiv der Wasserdruck. Es dauert ewig die Flaschen aufzufüllen. Aber am Ende haben wir wieder volle Wasservorräte, darauf kommt es an.

Wir verlassen Havelberg und begeben uns auf einer windige Deichfahrt. Irgendwann kommen uns zwei Jungs entgegen, die kein Wasser dabei haben und uns nach welchem Fragen. Es ist mittlerweile wieder sonnig und warm und natürlich bekommen Sie Wasser von uns. Wir haben ja vor kurzem erst unsere Wasservorräte aufgefüllt und wir transportieren gute 10 L Wasser, wenn alles voll ist.
Über’s Limit
Die windige Fahrt ist sehr anstrengend. Ich muss irgendwann etwas snacken. Das Mittagessen ist schon eine Weile her und heute fahre ich mit dem Anhänger. Ich merke, dass ich mich etwas übernommen habe. Als wir einen Zeltplatz gefunden haben und wir beim Aufbau sind, ist mir etwas schlecht. Da habe ich wohl heute etwas zu viel gewollt. Im Laufe des Abends erhole ich mich aber wieder. Lektion gelernt: wir fahren einen Marathon und keinen Sprint. Einfach mal langsamer fahren oder Pause machen. Da die Kleine schlief, wollten wir keine Pause einlegen. Wenn der Anhänger zum Stehen kommt, wird sie häufig wach.
Wir finden einen Schlafplatz auf einem Feld, auf dem überall Strohballen verteilt liegen. Wir schlagen unser Zelt direkt neben einem auf. Heute kann die Große mithelfen und sie faltet eines der Gestänge auseinander und baut die unteren Clip des Zeltes ans Gestänge an. Das macht ihr großen Spaß und gibt ihr eine Gefühl von Wirksamkeit.

Kurz vor Ende noch ein Schreck
Vor dem Schlafengehen muss ich nochmal raus, die Blase leeren. Als ich das Zelt verlasse, empfängt mich ein Sternenhimmel, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen habe. Um uns herum ist es auch schön dunkel, wodurch die Sterne noch besser zu sehen sind. Als ich wieder im Zelt bin und mich gerade in meinen Schlafsack legen möchte, merke ich etwas an meinem Unterarm krabbeln. Schnell die Taschenlampe gebückt: eine Zecke! Wir öffnen den Eingang des Zeltes und schmeißen sie schnell raus. Zum Glück war sie so groß, dass ich sie einfach so auf der Haut spüren konnte.
Mit dem Schrecken geht der Abend bald zu Ende. Wir schreiben noch ein bisschen und sichten Fotos und bald fallen uns auch die Augen zu.
Heutige Fahrbilanz: 56 km, 4 h km Sattel
Bilder des Tages












