Es ist mein 40. Geburtstag. Die Kleine und ich stehen irgendwann entspannt auf und machen Kaffee. Na gut, ich mache Kaffee und die Kleine bekommt etwas Obst. Es ist noch relativ ruhig und wir stehen auf einem Parkplatz in Sarnico, am Iseosee in Italien. Lu und die Große stehen auf und Lu bereitet für alle eine Pfanne mit Paprika, Zwiebel, Kartoffeln vom Vor-Vortag und Ei zu. Dazu gibt es Brot, das wir kurz in der Pfanne antoasten. Lu stellt der Kleinen eine Schüssel mit dem gebratenen Frühstück hin und sie liebt es. Vor allem die Kartoffelstücken. Die Kleine sitzt nur in Windel auf dem Bett, mit einem Küchenhandtuch halbwegs unter ihren Beinen und der Schüssel mit Frühstück zwischen den Beinen und genießt es sichtlich. Es fällt auch Essen neben das Handtuch, direkt auf das Laken, aber wir sind ja nur noch wenige Tage unterwegs, da stört mich das nicht mehr.
Die Große hat erst keinen Appetit, isst aber letztlich doch, als Lu sie Happen für Happen füttert.
Wie man einen Kuchen in einem Camper backt
Lu hatte sich schon darauf vorbereitet, mir zu meinem Geburtstag einen Geburtstagskuchen zu backen. Sie hatte sich ein Rezept herausgesucht, alle Zutaten (außer Eier und Joghurt) schon zu Hause eingepackt und heute backt sie mir, zusammen mit der Großen, einen Kuchen im Camper. Not macht erfinderisch. Den Teig rührt sie direkt in der Pfanne ganz altmodisch mit einem Schneebesen an. Zum Abmessen der Zutaten verwendet sie einen Joghurt Becher. Sie backt den fertigen Teig in der Pfanne mit Deckel auf dem Herd. Deckel trifft es nicht ganz. Denn einen für die Pfanne passenden haben wir nicht dabei. Also nimmt sie einen Emaille Teller. Nach einiger Zeit riecht es etwas schokoladiger und sie wendet den Kuchen, indem sie ihn auf einen Teller schiebt und dann andersherum wieder in die Pfanne legt. Dann nochmal Deckel drauf, kurz weiterbacken und voilà, fertig ist der Camper-Geburtstags-Schokoladenkuchen. Der kommt mit an den See. Noch ein Stück warm probieren – er schmeckt toll – und dann wird er auf einem Teller einfach durch die Gegend transportiert.
Nach dem Backen packen wir unsere Sachen für einen Tag am See. Ich dachte, wir werden mit Sack und Pack einmal über die Straße gehen und uns dort auf eine Wiese setzen und den Tag genießen. Aber ich beschließe irgendwann mit der Kleinen einmal vorzugehen und die Lage zu checken, auch, weil es im Camper während des Packens mal wieder unbequem wird. Nebenbei findet der tägliche Mülleimer-Check statt. Irgendwo müssen wir ja auch immer unseren „Hausmüll“ abladen.
Alles da, was wir brauchen
Als ich mit der Kleinen im Arm auf die andere Straßenseite kommen möchte, gibt es auf unserer Seite erstmal keinen Bürgersteig. Auf der anderen Straßenseite ist eine kleine Wand mit einem Zaun. Dahinter ist ein Gehweg und dahinter wiederum ein Zaun und eine Hecke. Und dahinter ist dann endlich die Wiese, auf die wir wollen. Also müssen wir nun erstmal einen Eingang finden. Einige Meter weiter gibt es zwei Automaten und eine Person, die sich um den Einlass kümmert. Am Automaten können wir pro Erwachsenen ein Tagesticket für 2 € ziehen. Ich erkundige mich in bestem Hand-und-Fuß-Italienisch, ob das Ticket „Tutto Giorno“ ist. Ich scheine irgendetwas richtiges oder verständliches gesagt zu haben, weil er nickt und „si“ sagt. Für 4 € können wir als Familie hier also den gesamten Tag chillen. Und dafür bekommen wir viel Schatten, Spielplätze, Toiletten, Duschen und Zugang zum Wasser über einen ziemlich langen Steg. Am Ufer wachsen hier nämlich sehr viele Algen. Der Steg ist schätzungsweise 3 m breit und soll 100 m lang sein. Damit lassen wir die Algen am Ufer weit hinter uns.
Geburtstagsbaden
Während ich anfange, die Kinder einzucremen, geht Lu nochmal los und holt für mich ein Panache, also ein Radler, vom Imbiss, der direkt vor dem Eingang des Seebades liegt. Lu kommt mit meinem Geburtstagsgetränk zurück und geht dann direkt ins Wasser. Erfrischt kommt sie wieder und wir tauschen. Die Große wollte sich gerade noch nicht eincremen lassen, die Kleine ist jetzt tutti completti und ich gehe los auf den Steg und steige erstmal vorsichtig ins Wasser. Genau die richtige Wassertemperatur.
Als ich so im Wasser treibe, freue ich mich darüber, dass ich an meinem 40. Geburtstag ganz entspannt im Iseosee schwimme und gerade einfach nur mein Leben genießen kann. Der Moment allein im Wasser ist auch deshalb so schön, weil er für einen Moment so sehr entschleunigt ist. Nur meine eigenen Gedanken, das schwappende Wasser, die Berge um mich herum und unweit der Steg, mit einer Menge Badegäste, die das schöne Wetter genießen und die mich null kümmern.
Ich klettere aus dem Wasser und springe ganz am Ende des Stegs nochmal mit einem Köpper ins Wasser. Ein Gefühl von Freiheit macht sich breit. Wann bin ich das letzte Mal so in einen See gesprungen?
Ich klettere aus dem Wasser und mache mich auf den Weg zurück zu unserem Platz. Bevor die Kinder ins Wasser gehen, soll die Creme noch etwas einziehen und so lange wird noch der Spielplatz bespielt. Dann geht es ans flache, steinige Ufer und dort spielt Lu mit der Großen im flachen Wasser, während die Kleine außerhalb des Wassers mit unseren Buddelsachen und etwas Seewasser in Buddeleimern spielt.
Manchmal klappt spontan sein
Lu hatte gestern ganz spontan den Stellplatz von letzter Nacht gefunden. Etwa 40 Minuten mussten wir dann noch fahren, bis wir hier waren. Davor hatten wir nur die Route Iseltwald nach Berlin eingegeben und waren auf dem Heimweg. Wir waren spontan geblieben, wo wir unterkommen, weil wir nicht wussten, wie weit wir kommen würden. Wir haben gestern den Fahrtag um kurz nach 21 Uhr beenden müssen, weil die Kinder während der Fahrt nicht in den Schlaf gefunden haben und so sind wir hier gelandet. Ich würde sagen: Absoluter Glücksgriff. Ich freu mich, dass wir hier so einen entspannten Tag verbringen können und es so viel Spielmöglichkeiten für die Kinder gibt.
Flashback
Wir waren vor sechs Jahren schon mal am Iseosee, damals auf einem Campingplatz an einem Ufer weiter nordöstlich und dort hat der Betreiber des kleinen familiengeführten Platzes seinen 59. Geburtstag gefeiert. In einer Art offen Holzscheune war eine lange Tafel aufgebaut und wir wurden eingeladen uns dazuzusetzen und mitzufeiern. Wir saßen inmitten von Familie und anderen Campingplatzbesuchern und es war ein sehr netter Abend. Damals waren wir noch zu zweit unterwegs und während wir im Aufstelldach des T6 California Ocean lagen, spielte noch eine ganze Weile Musik und es waren entfernte Gespräche zu hören. Es war ein Bisschen, wie ich es aus meiner Kindheit kenne, wenn wir im Garten waren und ich schlafen gehen musste, während die Erwachsenen noch gefeiert haben. Als Kind wäre ich natürlich am Liebsten noch weiter bei der Feier dabei geblieben. Auf dem Campingplatz damals war es neben womöglich leichter FOMO hauptsächlich ein wohliges Gefühl. Später fing es noch an zu Regnen und wer in einem solchen Aufstelldach oder einem Zelt schon mal Regen mitbekommen hat, weiß, dass es einerseits recht laut werden kann, es aber andererseits auch sehr gemütlich ist.
Wir wurden bei der Abfahrt am nächsten Tag vom Sohn des Betreibers zum 60. Geburtstag seines Vaters eingeladen, was uns sehr geschmeichelt hat.
Zurück in die heutige Zeit
Die Kinder bekommen Hunger und heute geht’s zum Imbiss. Wir besorgen ein Piadina crudo, ein dünnes italienisches Fladenbrot mit Räucherschinken und Rucola und ein Toast mit Kochschinken und Käse. Dazu bekommt die Große noch einen Erdbeerslushi, weil sie ihn sich wünscht. Sie genießt das zuckersüße Getränk sichtlich. Bei uns gibt es noch ne Cola dazu. Nach dem Essen geht’s erstmal auf den Spielplatz. Aktive Verdauungpause. Dann geht’s wieder ans Wasser und wir genießen den Rest des Tages zum planschen am See. Kurz vor Ende hole ich uns noch ein Bier und ein Panache. Dann geht’s daran rauszukommen.
Wir packen alles, machen uns und die Kinder unter der Feilicht Dusche sauber und gehen dann zum Auto. Ich möchte gerne noch essen gehen und ich finde ein schönes Restaurant in der Nähe. Zu Fuß soll es 20 Minuten dauern, dort hinzulaufen. Das ist um diese Uhrzeit, mit der Fitness der Kinder eher ungünstig und so fahren wir mit dem Camper dort hin und friemeln uns in einem schmalen Parkplatz hinein.
Im Restaurant bestellen wir zwei Pizzen, Seafood und Pommes. Das Seafood kommt bei den Kindern nicht so gut an, aber beim Rest wird gut zugelangt. Wir sitzen mit Seeblick und können heute einen entspannten Abend hier verbringen. Ich bin sehr froh darüber, denn am Vortag war es sehr anstrengend. Allerdings hatten die Kinder heute auch reichlich Bewegung und sind entsprechend ausgeglichener. Auf dem Rückweg zum Camper will die Große viel rennen und die Kleine möchte an den Händen laufen. Vom Tempo her zwei sehr unterschiedliche Arten der Bewegung. Und so rennt die Große immer hin und her, während die Mama mit der Kleinen an der Hand vorantapert.
Zurück am Stellplatz hat es sich schon wieder ziemlich geleert und wir suchen uns unser Fleckchen. Die Kinder gehen ins Bett, wir genehmigen uns noch etwas Eis aus dem Tiefkühlfach und lassen den Abend gemütlich ausklingen.











