Unser Stellplatz stellt sich als Glücksgriff heraus. Bodo hatte der Großen schon am Abend versprochen mit ihr und der Kleinen am morgen Fußball spielen zu gehen. Also geht er nach dem Frühstück raus zum spielen, während ich den Camper zur Abfahrt vorbereite. Bodo und ich halten Kontakt und er bittet mich zum Eisessen dazuzukommen. Bodo trinkt seinen ersten Espresso in Italien. Die Große teilt ihr kleines Eis großzügig mit der Kleinen, dafür teilt Bodo sein Eis mit ihr. Und auch ich darf mal probieren. Die Kinder und wir sind glücklich und wir ziehen zusammen weiter auf den Spielplatz, der hinter dem Sportclub liegt. Doch die Sonne ist schon morgens sehr stark und wir wollen die Kinder, noch uneingecremt, nicht so lange ungeschützt in der Sonne spielen lassen.
Viel auf und ab und ein flauer Magen
Wir brechen auf zur „sagenhaften Welt des Toni“ am Rittnerhorn. Ein Erlebnispfad, den Bodo als Zwischenstopp für die lange Fahrt zur nächsten Wanderregion in der Schweiz rausgesucht hat. Damit wir die Strecke nicht in einem Rutsch durchfahren müssen, war es Bodos Idee, diese durch familien- und vor allem kinderfreundliche Aktivitäten aufzulockern. Der Toni Pfad klingt vielversprechend, liegt allerdings auf einem Berg in der Ferne. Um ihn zu erreichen müssen wir die schönen Dolomiten hinter uns lassen. Hierfür gilt es mehrere Pässe rauf und wieder runter zu fahren. Ich fahre und Bodo liest etwas zu lange am Handy, während wir uns gerade 2000 hm einen Berg hinunterschrauben. Ihm wird dabei sehr flau im Magen. Wir machen die Fenster, auf aber das reicht noch nicht. Ein paar Laugen-Cracker sollen helfen. Aber wirklich besser wird es erst als wir auf der Landstraße unten im Tal sind und eine längere Strecke mal nur geradeaus fahren. Bis wir uns den nächsten Berg hocharbeiten und mal wieder unzählige Kehren bewältigen müssen, geht es ihm zum Glück schon wieder besser.
Das Navi möchte weiter, aber der Weg ist zu Ende
Wir lassen uns vom Navi des Campers lotsen soweit es das kann. Den Rest soll google Maps übernehmen. Wir fahren selten so unvorbereitet in eine Region, in der uns das Gelände bzw. die Wegführung unbekannt ist, aber die Zeit und die Kapazitäten fehlen uns, also rein ins Abenteuer und hallo Überraschung. Denn wir sind noch nicht am Ziel, als das Navi weiter möchte, uns die Beschilderung aber untersagt weiterzufahren. Doch der Ort sieht vielversprechend aus. Großer Parkplatz mit Bushaltestelle und Seilbahn Station. Ich schaue auf einer Karte nach und lasse mir bei der Seilbahn bestätigen, dass wir mit einer Fahrt nach oben zu unserem Ziel gelangen, zur „sagenhaften Welt des Toni“. Ein Erlebnis- um Erkundungspfad für die ganze Familie mit Wandermöglichkeiten, Spiel- und Kletterarealen, kleinem Wasserspielplatz, Kneipp-Becken und Hütten zur Einkehr.
Die Große freut sich schon sehr auf die Seilbahnfahrt nach oben. Eine halbe Stunde packen lang und schon geht es los. Wir nehmen das kleine Set-up. Bodo nimmt den Rucksack mit Proviant und ich nehme die Kleine in die Trage auf den Rücken. Das wollte ich schon länger mal ausprobieren und nun bietet es sich an. Ich finde es super und die Kleine mag es auch. Da wir leider erst sehr spät angekommen sind, haben wir oben angekommen nur etwa 3 Stunden Zeit. Für eine Pause auf einer Hütte wird es also wahrscheinlich nicht reichen. Die Aussicht ist großartig! Wir haben Sicht über einen großen Teil der Dolomiten, können Gipfel aus der Ferne betrachten, die wir tagelang nur von unten sehen konnten. Damit haben wir hier nicht gerechnet. Auch das erste Klettergerüst überzeugt die Kinder und uns. Denn auch wir bekommen Lust auf dem riesigen Gerüst aus zusammengeschraubten Holzstämmen zu klettern. Die Kleine hält sich hier gern in den drei kleinen Trampolinen in der Mitte auf. Um aber noch mehr von dem Toni Pfad sehen zu können, ziehen wir weiter zur nächsten Station, wieder etwas zum Klettern. Wir laufen vorbei an einem See, dem schwarzen See, der so klar ist, dass man mehrere Meter tief schauen kann.
Ein Hoch auf das Kneipp-Becken
Weiter geht es zu einem Kneipp-Becken, dass Klein und Groß zum Plansch einlädt. Ich gehe mit der Großen rein. Uns gefällt es so gut, dass wir hiermit eigentlich den Rundkurs hätten abschließen können. Auch die Kleine will gerne rein und sie darf die Füße reinhalten und zappelt munter im Wasser herum. Aber bevor wir sie planschen lassen, ziehen wir weiter zum nächsten Punkt, einem Wasserspielplatz. Hier darf auch die Kleine mitmischen. Wir versuchen uns Zeit zu lassen, sind aber etwas getrieben dadurch, dass die letzte Gondel um 17:30 abfährt. Also weiter.
Die nächsten beiden Stationen sind eher unspektakulär und es folgt wieder ein großes Kletter Gerüst, ein riesiger Toni Adler aus Holzstämmen. Inzwischen habe ich die Kleine wieder auf dem Rücken in der Trage, denn sie ist müde. Bodo und ich klettern trotzdem wieder fleißig mit und spielen Rollenspiele mit der Großen. Sie ist Kapitänin und wir fahren mit ihr auf einem Schiff. Die riesige Röhrenrutsche lassen wir hinter uns, als wir weiter zu den letzten beiden Stationen ziehen, denn die große interessiert sich für Röhrenrutschen nicht. Die letzte Station ist eine Höhle, in die sie mit Bodo reingeht. Der Eingang ist eng und während die Große mit eingezogenen Kopf hineinstapft, versucht Bodo mit heilen Knien und heilem Kopf wieder herauszukommen.
Wieder an der Seilbahn Station angekommen, bekommt sie noch 5 Minuten um zu rutschen, aber sie ist schon bereit für den Rückweg. Auf der Fahrt nach unten studiert sie dann ausgiebig die Karte, der Region und Bodo, die Kleine und ich genießen die großartige Aussicht. Am Auto unten angekommen ist die Stimmung sehr gut. Die Kinder und auch wir hatten einen schönen Tag. Wir entscheiden hier Abend zu essen, kochen gefüllte Nudeln mit Parmesan und machen die Kinder nach dem Essen bettfertig, damit sie auf dem Weg zum Stellplatz einschlafen können und wir sie dann nur umlagern müssen. Wir wollen schnell los kommen, denn der Parkplatz ist mit einer Schranke gesichert. Unser Ticket ist bereits bezahlt, aber unsere Sorge ist es, dass die Schranke ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr auf geht, also wollen wir nicht die Letzten auf dem Parkplatz sein.
Alles ist zum weiterfahren bereit, da passiert es
Ich gehe noch kurz auf die Camper integrierte Toilette, da rumst es laut und ich weiß sofort was passiert ist. Ich springe sofort von der Toilette auf und stürme aus dem Bad. Bodo kommt mit der Großen von draußen rein. Sie blutet im Gesicht. Bodo tröstet sie, aber sie wimmert „Mama Arm“. Sie weint bitterlich. Ich wische ihr flüchtig Sand und Steine aus der blutenden Nase, Mund und Stirn. Dann nehme ich sie auf den Arm, tröste sie und muss selbst ganz stark sein, mir die Tränen verkneifen.
Sie war beim Klettern auf dem Fahrersitz kopfüber aus dem geöffneten Fenster gefallen. Scheinbar, ohne sich groß mit den Händen abzustützen, denn in der Handfläche war nur an einem Finger eine kleine Wunde. Am Haaransatz hat sie Schürfwunden und ein kleines Hämatom, außerdem an und in der Nase Schürfwunden. Außerdem blutet sie im Mund aber es scheint nur eine kleinere Verletzung an der Zunge zu sein. Als sie nicht mehr so doll weint, reinige ich die Wunden mit Octenisept. Danach tröste ich wieder und wir kuscheln ganz innig. Wir sind nicht sicher wie es jetzt weitergeht, denn der Plan war es, einen Stellplatz zu suchen und dafür den Berg über die zig Kehren wieder runter zu fahren. Da wir aber nicht wissen, ob die Große eine Gehirnerschütterung hat, müssen wir erstmal abwarten. Der Schock sitzt ohnehin noch sehr tief, bei uns allen.
Ein Sturz kopfüber aus gut 1,2 m
Fest steht aber schnell: Sie hatte unglaubliches Glück. Das hätte ganz anders ausgehen können. Sie ist gut 1,2 m gestützt. Mit dem Kopf voran auf einem Schotter Parkplatz mit fiesen Steinen. Als sie nicht mehr weint, sich aber immer noch ganz tief in meinen Armen verkriecht, bieten wir ihr an Schokoladen Eis zu essen. Das kühlt schön und schmeckt lecker. Erst lehnt sie ab, aber später möchte sie doch. Wir holen das Eis heraus, damit es etwas antauen kann. Sie sagt nach nochmaligem Anbieten, sie sei noch nicht bereit. Die Kleine ist schon sehr müde, hält aber mit etwas Bespaßung gut durch. Beim Spiel mit dem Papa lockert die Stimmung auf und auch die Große muss jetzt Mal kichern. Das erleichtert uns sehr. Kurz darauf beginnt sie Eis zu essen und sendet uns immer mehr Signale, dass sie keine Gehirnerschütterung hat und es ihr auch sonst körperlich gut geht. Nebenbei sprechen wir mit ihr darüber, wie sie manche Dinge früher genannt oder ausgesprochen hat, das amüsiert sie und sie erinnert sich eigenständig an vieles, der Schrecken fällt langsam bei uns beiden ab.
Plötzlich fällt die Kleine beim Spielen sitzend im Gang hinter dem Beifahrersitz um und scheint sich auf die Zunge oder Wange gebissen zu haben, sie blutet, weint erst, erholt sich schnell wieder, aber wir wollen nur noch weg von diesem Platz.
Es geht ihr gut
Als die Große mit dem Eis fertig ist, können wir guten Gewissens losfahren und den Parkplatz verlassen. Inzwischen ist nur noch ein einziges anderes Fahrzeug da. Wir machen uns auf nach Avio und die Kinder schlafen während der Fahrt ein. Bevor die Große schläft, sprechen wir nochmal mit ihr über ihren Unfall und sie erinnert sich ausgesprochen gut an alles und kann es auch sehr gut beschreiben, es tut weh, das von ihr zu hören, aber es beruhigt auch etwas, da es ihr offensichtlich, den Umständen entsprechend, gut geht.
Nach dem Schreck, duschen und Eis im Bett
In Avio angekommen haben wir knapp 34 Grad um 22 Uhr, wir lagern die Kinder in die Betten um, gehen duschen, genehmigen uns noch ein wenig Eis, schreiben am Blog und gehen um kurz nach 1 Uhr schlafen, bei 30 Grad.


















